Direkt zu:

frauenORT Wilhelmine Siefkes

Der frauenORT Wilhelmine Siefkes in Leer entstand in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten, dem Stadtarchiv und der Stadtbibliothek der Stadt Leer und wurde am 20. März 2011 in Leer eröffnet.

Mit der Initiative frauenOrte Niedersachsen will der Landesfrauenrat Leben und Wirken historischer Frauenpersönlichkeiten einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen und dazu beitragen, dass Frauengeschichte und Frauenkultur einen festen Platz im Spektrum kulturhistorischer Angebote erhält.

Die Ausstellungsräume zum Leben und Wirken von Wilhelmine Siefkes können zu den Öffnungszeiten des historischen Rathaus (2. Stock) besichtigt werden.

Wir bieten einen kulturellen Streifzug durch unsere Altstadt von Leer über unsere historische Frauenpersönlichkeit Wilhelmine Siefkes (1890 -1984) an.

Die beeindruckende Biografie dieser mutigen Frau gibt besondere Einblicke in ihr Leben.

Helene Christine Wilhelmine Siefkes, geboren am 4. Januar 1890 als Tochter des Landwirts Siegfried Siefkes in Leer, gehörte mit zu den interessantesten Persönlichkeiten der Stadt Leer des 20. Jahrhunderts.

Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten hat sie als Lehrerin viel von der Armut insbesondere der Arbeiterkinder gesehen und sich politisch den Sozialdemokraten angeschlossen. Obwohl zu der Zeit noch ganz unüblich, wurde sie, eine Frau, 1928 ins Stadtparlament gewählt. Gemeinsam mit dem Lehrer Hermann Tempel, der in den Reichstag gewählt worden war, und dem Gewerkschafter und Fraktionsführer der Leeraner SPD, Louis Thelemann, mit denen sie eine enge Freundschaft verband, arbeitete sie am „Volksboten“, dem Presseorgan der Sozialdemokraten, mit.

Kinder und ihre Heimatsprache lagen Wilhelmine Siefkes besonders am Herzen. Als Lehrerin und während ihrer aktiven Mitarbeit im Arbeiter-Jugendheim der Sozialdemokraten hatte sie zu Beginn der 30er Jahre gespürt, dass ihre Übertragungen von Märchen und Sagen ins Plattdeutsche die Kinder direkter erreichten als die Originalversionen. Sie liebte es, wenn beim Erzählen dieser Geschichten die Augen der Kinder aufleuchteten und ihre Phantasie durch sie beflügelt wurde.

Parallel dazu schrieb Wilhelmine Siefkes kleinere Geschichten über „Hinni“, ihrer späteren Romanfigur KEERLKE. In ihnen versuchte sie, die unendliche Armut und Freudlosigkeit im Arbeitermilieu zur Zeit der großen Arbeitslosigkeit nachzuzeichnen.

Ihre wichtigen Wirkungsfelder – Jugendheim, Schule, Volksbote, Schriftstellerei, Politik – wurden ihr jäh genommen, wie die Nationalsozialisten an die Regierung kamen und ihren totalitären Machtapparat ausbauten:

Das Jugendheim wurde beschlagnahmt und als Hitlerjugendheim weitergeführt, Wilhelmine Siefkes wurde im Zuge der neuen Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums im Juli 1933 offiziell aus dem Schuldienst entlassen, weil sie sich geweigert hatte, eine Ergebenheitserklärung an den „Führer“ zu unterschreiben, der Volksbote wurde bereits Ende Februar 1933 verboten. Darüber hinaus erhielt sie ein generelles Schreibverbot.

Dennoch vollendete die Schriftstellerin im Jahr 1939 unter dem Pseudonym Wilmke Anners ihren Roman KEERLKE, wofür sie am 11. Mai 1940 mit dem Johann-Hinrich-Fehrs-Preis ausgezeichnet wurde.

Nach 1945 kehrte Frau Siefkes nicht in den Schuldienst zurück, sondern widmete sich gänzlich ihrer literarischen Arbeit. Über 50 Jahre war sie Mitglied des Vereins für Heimatschutz und Heimatgeschichte Leer und schrieb für die vereinseigene Heimatbühne eindrucksvolle plattdeutsche Heimatspiele wie: Brörs, Stiefkoppen, Freerk Ulenga.

Als ständige Mitarbeiterin schrieb sie seit 1948 für die Zeitschrift „Ostfriesland“ der „Ostfriesischen Landschaft“ Aurich, unzählige Aufsätze, Gedichte und Essays.

Im Jahr der Gründung (1949) trat sie dem Arbeitskreis für Schriftenreihen an ostfriesischen Volksschulen, der „Leuchtboje“, bei, 1958 dem „Ol­denburger Schrieverkring", 1964 dem Verband deut­scher Schriftsteller sowie der IG Druck und Papier.

Von 1961-69 war die Leeraner Schriftstellerin Mitglied des Bevensen-Vorstands, 1964-72 Redaktionsmitglied von „Dörp en Stad", der Zeitschrift der „Grunneger Genootschop", Groningen.

1948 erhielt Frau Siefkes den Förderpreis der­selben Vereinigung in Verbindung mit dem Ohnsorgtheater für „Brörs, en märchenhaftig Komödjenspil", 1960 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der BRD, 1968 die Ubbo Emmius-Medaille der Ostfriesischen Landschaft für ihr Gesamtwerk, 1970 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Leer für das schriftstellerische Werk, 1970 den Quickborn-Preis für das Gesamtwerk und 1970 wurde sie zum Ehrenmitglied der „Grunneger Genootschop", Groningen, ernannt.

Am 28. August 1984 verstarb die Grande Dame der plattdeutschen Literatur, Wilhelmine Siefkes, die bis zum Schluss ihrer Heimatstadt Leer treu geblieben war.

Arbeitsgebiete: Lyrik, Erzählung, Roman, Drama, Hörspiel, Über­tragungen aus dem Westfriesischen und Groningischen.

Wilhelmine-Siefkes-Preis

Zu Ehren der Leeraner Schriftstellerin Wilhelmine Siefkes (* 4. Januar 1890 in Leer; † 28. August 1984 in Leer) vergab die Stadt Leer am 26. Januar 2018 zum 8. Mal den mit 2.500,00 € dotierten Wilhelmine-Siefkes-Preis.

Der Preis wird alle 4 Jahre für Werke, die in Ostfriesland entstanden sind oder ein ostfriesisches/regionales Thema zum Inhalt haben oder die Wechselbeziehungen zwischen Ostfriesland und anderen Regionen behandeln, verliehen. Auch Lebenswerke können preisgekrönt werden. Der plattdeutschen Sprache kommt hierbei als Ausdrucksmittel und/oder als Thema eine besondere Bedeutung zu.

Der Preisträger wurde durch eine Jury ausgewählt, der neben Bürgermeisterin Beatrix Kuhl, mit Garrelt van Borssum (Leer), Carl-Heinz Dirks (Emden), Dr. Reinhard Goltz (Bremen) und Grietje Kammler (Aurich), Literaturwissenschaftler und Kenner der plattdeutschen Literatur und Sprache angehören.

Die Preisträger des Wilhelmine-Siefkes-Preises:

  • 2018 - Annie Heger, für ihr umfassendes und nachhaltiges Wirken in unterschiedlichen Bereichen der ostfriesischen Kultur ausgezeichnet. Als Sängerin und Entertainerin, als Autorin und Moderatorin bewahrt sie die Sprache Plattdeutsch und entwickelt sie auf vielfältige Art weiter. (Laudatio auf Annie Heger)
  • 2014 - Gerd Brandt (Neustadtgödens) für sein Lebenswerk. (Laudatio auf Gerd Brandt)
  • 2010 - Theo Schuster (Leer) für seine profunden, fächerübergreifenden Studien bei der Bearbeitung vieler Felder der norddeutschen Kulturgeschichte. Als engagierter Verleger, kritischer Lektor und kundiger Autor war Herr Schuster zum anerkannten Förderer der Literatur geworden, die die Sprache Plattdeutsch auf vielfältige Art bewahrt und weiterentwickelt hat. (Laudatio auf Theo Schuster)
  • 2006 - Arend Remmers (Schwelm) für sein Werk "Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade". (Laudatio auf Arend Remmers)
  • 2002 - Siegfried Kessemeier (Münster) für die niederdeutsche Gedichtesammlung „inoin“.
  • 1998 - Kees Visscher (Veendam, NL) für seine Erzählungen „De man van de boom“, „Morellen“, „Hanna Fictorie“, „Onderwegens“ und „tPat van de deugd“.
  • 1994 - zu gleichen Teilen Udo Franken (Aurich) für die plattdeutsche Kriminalkurzgeschichte „Springflood“ und Karl-Heinz Madauß (Parchim/Mecklenburg) für den plattdeutschen Roman „Wer weit, wo dar noch kamen ward“.
  • 1990 - Henry Hes (Groningen/NL) für seine Sammlung „Noadörst“, Gedichte in Groninger Mundart.

Eemt Frees

Hier Juli und August:

Eemt Frees
(ut: Friesische Märchen, Friesen-Verlag, A. D. Heine, Wilhelmshaven 1919; overarbeidt van Menna Hensmann, nakeken van Carl-Heinz Dirks)D at is nu al lang, lang her, do wohnde boven an de Waterkant ’n Riese, de heetde Eemt Frees. Hum höörde all dat Land, dat tüsken Holland un Ollenbörg lagg. Moot un Knaakölje harr he genoog, un wenn he ok jüüst neet de allerklookste was, dat stunn fast: he was ’n wahre Goodhals. Eenmaal kwamm d’r ’n groot mooi Wiev bi hum; dat was Frau Eemse. De vertellde hum, dat se al ’n wiede Reis achter ... weiterlesen
Eemt Frees
„Man wat sall ik dor tegen doon?,“ froog se de Fissen. „Krieg anfangen!“, repen all mitnanner. – As de Königskinner dat höörden, wullen se dor eerst nix van weten. Man do wurr hör bedüddt, wat dat för ’n Spaaß gaff, ’n rechte Krieg mittomaken, un do kregen se dor Sinn an. de Königin harr ’n good Fründ, dat was de ruge, tuusterge Noordwest. De nöögde se to dat Spill. De Nacht muss hör Sleier deep swart farven, un boven an de Hemel wurren groot Schippen vull Water anfahren. Un dann gung ... weiterlesen

Stadtspaziergang mit Wilhelmine Siefkes

Öffentliche Termine 2017 ohne Anmeldung - Treffpunkt am Historischen Rathaus (Rathaustreppe)


24. September um 11.30 Uhr
22. Oktober um 11.30 Uhr
12. November um 11.30 Uhr
17. Dezember um 11.30 Uhr

Kosten 4 € pro Person
Buchung eines Stadtspazierganges mit Wilhelmine Siefkes bei der Tourismuszentrale, Ledastraße 10 in Leer; Telefon: 0491 919 696 70

frauenORTen in der Nachbarschaft

Emden     Jever

Krummhörn        Norden